Zwischen Himmel und Hügeln: Unterwegs im Echo Valley Provincial Park
- Karin Schreiber

- 6. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Der Asphalt zieht sich wie ein schmaler Faden durch die Weite. Himmel, Grasland, Horizont – mehr braucht es zunächst nicht. Saskatchewan wirkt auf den ersten Blick klar und offen, fast schlicht, und genau darin liegt seine Kraft. Doch irgendwann, ganz ohne Vorwarnung, verändert sich etwas. Die Straße senkt sich kaum merklich, das Licht wird weicher, und plötzlich öffnet sich das Qu’Appelle Valley, als hätte jemand einen Vorhang zur Seite gezogen. Ein grünes Band, tief in die Prärie geschnitten, geformt von Eiszeiten und Wasser, von Zeit und Geduld. Seen glitzern zwischen bewaldeten Hängen, die Landschaft wird geschwungen, vielschichtig. Etwa eine Stunde nordöstlich von Regina liegt hier der Echo Valley Provincial Park – ein Ort, der mit Erwartungen bricht und gerade deshalb lange nachhallt.
Ab diesem Moment ändert sich der Rhythmus der Reise. Nach Kilometern schnurgerader Highways zieht das Tal hinein in eine weichere, geschütztere Landschaft. Alles fühlt sich näher an, fast umarmend. Sanfte Hügel rahmen die Seen Echo Lake und Pasqua Lake ein, bewaldete Senken ziehen sich durch die Hänge, die Prärie verliert ihre Endlosigkeit und beginnt, Falten zu schlagen. Man wird langsamer, ohne es zu planen. Bei geöffneten Fenstern tritt das gleichmäßige Brummen der Straße in den Hintergrund und die Aufmerksamkeit richtet sich auf Wasser, Licht und Bewegung.
Das Qu’Appelle Valley gilt als eine der landschaftlich schönsten Regionen Saskatchewans, doch seine Wirkung speist sich nicht allein aus der Kulisse. Seit Jahrtausenden ist dieses Tal Durchgangs- und Begegnungsraum indigener Völker, darunter Cree und Saulteaux. Schon der Name „Qu’Appelle“ ist mit Legenden verbunden – mit einem Ruf, einem Echo, das durch die Hügel getragen wird. Dieses Gefühl von Präsenz ist bis heute spürbar. Man fährt nicht einfach durch das Tal hindurch, man wird aufgenommen in eine Landschaft, die von Geschichten, Erinnerungen und Bedeutung geprägt ist.
Um ein erstes Gespür für diesen Ort zu bekommen, lohnt es sich, die Geschwindigkeit weiter zu reduzieren und zu Fuß unterwegs zu sein. Der Qu’Appelle Interpretive Trail ist mit seinen rund drei Kilometern ein leichter, aber eindrucksvoller Rundweg, der die Essenz des Echo Valley einfängt. Der Pfad führt durch schattige Senken, öffnet sich zu grasbewachsenen Hängen und steigt schließlich sanft zu luftigen Aussichtspunkten an, von denen aus sich der Blick über die Seen im Tal weitet. Informationstafeln verbinden Landschaft mit ökologischem und kulturellem Kontext und verleihen jedem Schritt zusätzliche Tiefe. Einen besonders schönen Überblick bietet auch der Aussichtspunkt am Rand des Aspen Campgrounds. Vom Büro des Campingplatzes aus folgt man der Straße weiter nach Norden bis ganz zum Ende - vor allem am späten Nachmittag, wenn das Licht milder wird, entfaltet das Tal hier seine ganze Ruhe.
Der Echo Valley Provincial Park erschließt sich genau über solche leisen Momente. Große Attraktionen sucht man vergeblich, und genau das macht seinen Reiz aus. Die Strände am Echo und Pasqua Lake wirken entspannt und vertraut - Orte, an denen Nachmittage ganz selbstverständlich vom Schwimmen ins Sonnen und weiter in ruhige Gespräche am Wasser übergehen. Kanus und Kajaks gleiten über die Seen, kurze Wander- und Radwege verbinden Wald, Ufer und offene Wiesen. Alles liegt nah beieinander, unkompliziert und ohne Inszenierung – weniger zum Abhaken gedacht als zum Ankommen.
Das Wasser ist der ruhige Mittelpunkt des Lebens im Park, und Angeln gehört hier ganz selbstverständlich dazu. Echo und Pasqua Lake sind bekannt für Zander, Hecht und Flussbarsche und ziehen Gäste an, die nicht nur den Fang, sondern vor allem das Drumherum schätzen. Am frühen Morgen liegt eine besondere Stimmung über dem See. Nebel hebt sich langsam von der Wasseroberfläche, die Hügel fangen das erste Licht ein, Boote gleiten beinahe lautlos dahin. Das Auswerfen der Angel wird zu einem Moment der Stille – nicht gemessen an dem, was man fängt, sondern an dem, was man dabei empfindet. Selbst ohne einen Biss stellt sich das Gefühl ein, genau am richtigen Ort zu sein.

Wenn der Tag sich neigt, wird auch die Energie im Tal sanfter. Wer sich entscheidet, über Nacht zu bleiben, erlebt diesen Übergang ganz selbstverständlich. Zwischen Echo und Pasqua Lake liegen die drei geodätischen „Domes“ von Earth To Sky Accommodations ruhig eingebettet in die Landschaft. Glamping trifft hier auf Zurückhaltung – durchdacht, privat und im Einklang mit der Umgebung.

Hier anzukommen bedeutet nicht, die Natur hinter sich zu lassen. Es ist eher, als würde man das Gespräch mit der Landschaft fortsetzen, nur von einem warmen Ort aus. Die Domes bieten jeden erdenklichen Komfort: heiße Dusche, frische Bettwäsche, eine kleine Küche für ein entspanntes Abendessen. Große Fenster bieten einen herrlichen Blick aufs Tal, draußen laden Terrasse, Grill und Feuerstelle dazu ein, den Abend unter freiem Himmel zu verbringen. Es wird gemütlich gekocht, gemeinsam gegessen, später sitzt man am Feuer, während der Himmel dunkler wird und die ersten Sterne erscheinen.
Später legt sich Ruhe über das Tal, eine Stille, die nichts vermissen lässt. Der Wind streicht leise durchs Gras, die Seen liegen dunkel und glatt, und über allem spannt sich der weite Präriehimmel, klar und mit Sternen übersät. Die Gespräche werden leiser, bis sie schließlich versiegen. Was bleibt, ist Raum – physisch und mental – und dieses seltene Gefühl, ganz im Moment zu sein, getragen von Natur und Komfort zugleich.
Der Echo Valley Provincial Park lebt von seinen Übergängen: von der Prärie ins Tal, von Bewegung in die Pause, vom Tag in die Nacht. Er beeindruckt nicht laut, sondern lässt der Landschaft den Vortritt. Und wenn die Reise weitergeht, die Straße wieder ansteigt und man das Tal langsam hinter sich lässt, bleibt etwas zurück. Keine einzelne Sehenswürdigkeit, sondern eine vielschichtige Erinnerung – an schattige Pfade und offene Höhen, an spiegelndes Wasser, weiches Licht und eine Zeit, die sich genau richtig angefühlt hat. Ein Ort, der nicht nur ein Halt auf der Strecke ist, sondern unmerklich Teil der Reise wird.
Weitere Informationen gibt es bei Tourism Saskatchewan und Saskatchewan Parks.





























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