9 Wege, die spektakulären Gewässer der NWT zu erleben
- Karin Schreiber

- vor 3 Tagen
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Seen, Flüsse, Stromschnellen und schroffe Küsten — die Northwest Territories sind ein Land voll epischer Gewässer. Oft zeigen sich die eindrucksvollsten Landschaften erst dann in voller Pracht, wenn man sie vom Wasser aus betrachtet. Und weil es hier gefühlt fast so viele Boote wie Autos gibt, sind die Möglichkeiten dafür nahezu unbegrenzt.
Ob auf einer 200 Kilometer langen Kanu-Etappe über den legendären Thelon River, mit dem Motorboot entlang der gewaltigen Klippen des East Arm des Great Slave Lake, mit Angelrute auf dem Paddleboard in der Yellowknife Bay oder mit dem Kajak inmitten der Slave River Rapids: Hier sind neun Arten, die Wasserwelten der NWT zu erleben.
Mit dem Kanu durch die Wildnis
Lange bevor Straßen oder Flugzeuge den Norden erschlossen, waren Kanus für die indigenen Völker das wichtigste Transportmittel. Bis heute folgen die beliebtesten Kanu-Routen diesen historischen Wegen.
Und das aus gutem Grund: Kanus sind wahre Alleskönner. Sie transportieren Menschen, Ausrüstung und Proviant für tagelange oder sogar wochenlange Touren durch die Wildnis – entlang endloser Seeufer oder über schäumende Flüsse. Selbst abgelegene Regionen lassen sich erreichen, denn die Boote können problemlos portiert oder sogar per Wasserflugzeug transportiert werden.
Wer einmal den Rhythmus des Paddelns für sich entdeckt hat, gleitet vielleicht schon bald entspannt am Sandstrand von Hay River entlang oder wagt sich auf die legendäre Nahanni River Route. Zahlreiche Lodges und Tourenanbieter in den Northwest Territories verleihen Ausrüstung oder nehmen Besucher mit auf geführte Touren durch einige der spektakulärsten Landschaften Kanadas.

Kajak-Abenteuer auf stillen Gewässern
Schmaler Rumpf, Doppelpaddel, ein Hauch von Eleganz: Kajaks sind schnell, stabil und gut gegen Wind und Wellen geschützt — und kommen an Orte, wo andere Boote längst an ihre Grenzen stoßen. Auf dem East Arm des Great Slave Lake warten unzählige Inseln, schmale Kanäle, dramatische Felsformationen und ein Fischreichtum von Weltklasse. Wer entlang der Küste des Arktischen Ozeans vor den Communities der Western Arctic paddelt, kann — mit etwas Glück — Moschusochsen und die typischen Pingos entdecken. Und dann wäre da natürlich noch der mächtige Mackenzie River, der sich über Tausende Kilometer durch den Norden zieht – ein gewaltiges Abenteuer für alle, die sich Zeit nehmen wollen.

Mit dem Motorboot über den Great Slave Lake
Der Great Slave Lake ist der fünftgrößte See Nordamerikas und der zehntgrößte der Welt — reichlich Platz für große Abenteuer. Zwischen Juni und September locken fantastische Angelmöglichkeiten und eine Landschaft, die ständig ihr Gesicht verändert: gewaltige Steilküsten, bizarre Dünenlandschaften und einsame Buchten wechseln sich ab. Besonders beeindruckend sind die bis zu 180 Meter hohen Felswände im East Arm des Sees. Wer selbst nicht ans Steuer möchte, schließt sich einfach einer geführten Bootstour an – sei es zum Sightseeing, Birdwatching oder Angeln. Und spätestens wenn der frisch gefangene Fisch direkt am Ufer auf den Teller kommt, ist das Glück perfekt.

Stand-up-Paddling im hohen Norden
Paddleboarding boomt, auch im hohen Norden Kanadas. Kein Wunder, denn die Boards eignen sich perfekt, um geschützte Buchten und ruhige Flüsse entspannt zu erkunden.
In Yellowknife gleitet man zwischen den bunten Hausbooten der Old Town hindurch oder umrundet beim jährlichen Rennen des Somba K’e Paddling Clubs die kleine Latham Island. Noch entspannter wird es beim Paddleboard-Yoga in der Back Bay, wenn sich Naturerlebnis und Tiefenentspannung miteinander verbinden.
SUPs können mittlerweile in vielen Gemeinden ausgeliehen werden – unter anderem in Yellowknife, Fort Simpson, Norman Wells, Tuktoyaktuk oder Inuvik, wie auch im Wood Buffalo National Park.

Rafting zwischen Stromschnellen und Wasserfällen
Stabil, robust und einfach ein Riesenspaß: Rafting funktioniert sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Paddler, die sich in spektakuläre Stromschnellen wagen möchten.
Ein echtes Highlight ist der Nahanni River mit den gewaltigen Náįlįcho — besser bekannt als Virginia Falls. Sie sind doppelt so hoch wie die Niagarafälle in Ontario. Ebenso legendär ist der Coppermine River, der weit oberhalb des Polarkreises durch historische Portage-Routen führt. Auch der Horton, der Natla, der Thomson und der Thelon River zählen zu den großen Namen der Region.

Mit der Fähre durch den Norden
Eigentlich sind sie nüchterne Arbeitstiere — und doch eine eigene Art, das Land zu sehen: Vier Fähren sind in den NWT in den Sommermonaten im Einsatz und bringen Autos und Trucks kostenlos über Flüsse, die keine Brücke haben: den Arctic Red River, den Mackenzie River, den Peel River und den Liard River. Die Überfahrten dauern oft nur wenige Minuten, bieten aber Gelegenheit, die Beine zu vertreten, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen oder einfach die Weite der Landschaft zu genießen. Nicht selten gibt es von den Fährleuten noch die besten Tipps für den weiteren Roadtrip obendrauf. Wichtig: Die Fähren fahren nur in den wärmeren Monaten — ein Blick auf die Website der NWT-Regierung gehört vor jeder Tour dazu.

Wildwasser-Kajaken für Adrenalinjunkies
Die NWT zählen zu den spektakulärsten Wildwasser-Destinationen der Welt. Der Nahanni, der Slave und der Horton River sind nur drei Namen einer langen Liste.
Besonders berühmt sind die Stromschnellen des Slave River bei Fort Smith. Mit ihren Wellen, Walzen und Playholes gelten sie als Paradies für Playboater und ziehen Profis aus aller Welt an. Doch auch Anfänger kommen hier auf ihre Kosten — beim alljährlichen Paddlefest Anfang August, wenn Rennen, Rodeos und Paddelspiele für beste Stimmung sorgen.
Anspruchsvoll wird es an den Sambaa Deh Falls am Trout River. Dort rauscht das Wasser durch eine enge Schlucht und verlangt selbst erfahrenen Paddlern einiges ab.

Segel setzen auf dem Great Slave Lake
Der Great Slave Lake beheimatet eine erstaunlich aktive und abenteuerlustige Segler-Szene. Wenn im Sommer der Wind über die Yellowknife Bay zieht, lehnen sich die Segelboote elegant in die Böen und gleiten über das Wasser. Wer auf den East Arm hinausfährt, entdeckt Segler, die tagsüber den Wind nutzen und nachts in stillen Buchten vor Anker gehen. Der Great Slave Sailing Club organisiert Kurse, Regatten und gemeinsame Ausflüge zu abgelegenen Buchten und Inseln wie Moose Bay oder den West Mirage Islands.

Expeditionskreuzfahrten durch die Northwest Passage
Flip-Flops und Pooldeck sucht man hier vergeblich. Eine Kreuzfahrt durch die Northwest Passage ist keine klassische Kreuzfahrt, sondern eine echte Expedition.
Zwischen August und Anfang Oktober sind hier speziell für arktische Gewässer ausgerüstete Expeditionsschiffe unterwegs, die mit vergleichsweise kleinen Passagierzahlen ein intensives Arktiserlebnis ermöglichen. Die Reisen führen durch spektakuläre Landschaften und vorbei an Orten, die nur wenige Menschen jemals zu Gesicht bekommen.
Zu den Höhepunkten zählen der Aulavik National Park mit seiner riesigen Moschusochsenpopulation, die abgelegene Gemeinde Ulukhaktok oder die geheimnisvollen Smoking Hills, aus deren Erdreich seit Jahrhunderten Rauch aufsteigt. Eisberge und Eisbären gehören unterwegs fast schon zum Standardprogramm – allerdings ganz bequem und sicher vom Deck des Schiffes aus beobachtet.

Neun Wege, ein gemeinsames Versprechen: Wer Kanadas Nordwesten erlebt, kommt am Wasser nicht vorbei. Und will es auch gar nicht.
Weitere Informationen über die Northwest Territories gibt es unter www.spectacularnwt.de.



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