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Schon gewusst…? Das Nürnberger Land steckt voller Überraschungen

27. Aug.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.

Wo der älteste Bayer lebte, Gold den Himmel erklärte und der Weg zum Mond begann


Happurger Stausee - Foto: Bernd Hölzel
Happurger Stausee - Foto: Bernd Hölzel

Ein einzelner Neandertalerzahn, tief in einer Höhle verborgen und der älteste Fund seiner Art in Bayern. Eine Wüste aus feinem Sand, die sich mitten im Wald ausbreitet. Eine Festung, die man bewusst dem Verfall überlässt, damit die Natur sich Stück für Stück zurückholt. Ein Holzschild an einer Hausfassade, das anzeigt, wer heute sein selbst gebrautes Bier ausschenkt. Und ein Kanal, auf dem bis heute Kaltblutpferde historische Schiffe im gemächlichen Takt vergangener Jahrhunderte am Ufer entlangziehen – eine Tradition, die sogar als Immaterielles Kulturerbe Bayerns anerkannt wurde. Das Nürnberger Land, nur 15 bis 30 Minuten von Nürnberg entfernt, überrascht auf engstem Raum mit Geschichten aus über 80.000 Jahren.

 

Der älteste Bayer

In der Steinberg-Höhlenruine bei Hunas entdeckte ein archäologisches Team im Jahr 1986 einen Neandertalerzahn, der auf 77.000 bis 85.000 Jahre datiert wird – der älteste Fund menschlicher Überreste in ganz Bayern. Ein einzelner Backenzahn, unscheinbar auf den ersten Blick, und doch ein Fenster in eine Zeit, in der hier noch ganz andere Wesen durch die Wälder zogen.

 

Deutschlands größter freistehender Tropfstein

Tief im Berg bei Krottensee wartet eines der eindrucksvollsten Naturwunder des Nürnberger Lands. In der Maximiliansgrotte erhebt sich in der sogenannten Schatzkammer der sechs Meter hohe Tropfstein „Eisberg" – Deutschlands größter freistehender Tropfstein. Über Jahrtausende ist er Tropfen für Tropfen gewachsen. Bei stimmungsvollen Höhlenmeditationen bleibt das elektrische Licht ausgeschaltet, sodass die Höhle ausschließlich vom Schein unzähliger Kerzen erhellt wird.

 

Ein Hut aus reinem Gold

Der Goldkegel von Ezelsdorf-Buch zählt zu den bedeutendsten Goldfunden Europas – ein fast 90 Zentimeter hohes Kultobjekt aus der Bronzezeit, dessen filigrane Goldornamente im Sonnenlicht aufblitzen und das möglicherweise als astronomischer Kalender diente. Das Original ist heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen, am Fundort selbst erinnert seit 2012 eine überdimensionale Nachbildung daran.

 

  • Foto: Thomas Geiger - Urzeitbahnhof Pommelsbrunn
  • Foto: Bernd Hölzel - Maximiliansgrotte
  • Foto: Thomas Geiger - Goldkegel


Von Pferden gezogen: ein lebendiges Kulturerbe

Der Ludwig-Donau-Main-Kanal, den König Ludwig I. zwischen 1836 und 1846 bauen ließ, sollte einst eine Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer schaffen. Bis heute fahren auf ihm die historischen Treidelschiffe „Elfriede“ und „Alma Viktoria“ – gezogen von Kaltblutpferden, die gemächlich am Ufer entlanglaufen. Ein Bild wie aus einer anderen Zeit, mit dem Klappern der Hufe als einzigem Motorengeräusch. Das Treideln wurde 2024 als Immaterielles Kulturerbe Bayerns anerkannt.

 

Der Weg zum Mond

Ausgerechnet im beschaulichen Feucht, fernab jeder Großstadthektik, lebte Hermann Oberth, einer der vier Väter der Raumfahrt und Begründer der wissenschaftlichen Raketentechnik. Ein Gedanke, der beim Blick in den klaren Nachthimmel über dem Nürnberger Land noch einmal ganz neu wirkt.

 

  • Foto: Thomas Geiger - Treidelschiff Elfriede
  • Foto: Frank Boxler - Hermann Oberth Raumfahrt Museum


Ein Lost Place mit behördlichem Segen

Die Festung Rothenberg bei Schnaittach wird bewusst nicht vollständig restauriert: Gesichert werden nur die Bereiche entlang der Besucherwege, während sich Moos, Wurzeln und Sträucher den Rest der einst mächtigen Anlage Stück für Stück zurückholen. Wer durch die gut erhaltenen Kasematten streift und anschließend die Bastionen und verwitterten Mauerreste oberhalb entdeckt, bekommt ein Gefühl dafür, wie schnell Natur und Geschichte sich ihren Raum wieder teilen, wenn man sie lässt.


Festung Rothenberg - Foto: Frank Boxler
Festung Rothenberg - Foto: Frank Boxler

Ein Braustern zeigt den Weg

In Neuhaus an der Pegnitz lebt eine Brau-Tradition, die es so kaum noch gibt: das Kommunbrauwesen. Seit 1470 ist dort ein Brauhaus verzeichnet, das ein Fürstbischof den Bürgerinnen und Bürgern schenkte – seither dürfen einzelne Haushalte darin ihr eigenes Bier brauen und zuhause ausschenken. Aktuell üben noch drei sogenannte „Kommunerer“ dieses Recht aus. Wer durch die kleinen Gassen schlendert, hält automatisch nach dem ausklappbaren Holzschild an der Hausfassade Ausschau, dem „Braustern“ – ist er ausgeklappt, schenkt hier gerade jemand sein eigenes Bier aus.

 

  • Foto: Nürnberger Land
  • Foto: Nürnberger Land


Rückwärts gebaut

In Lauf an der Pegnitz standen die Häuser zuerst. Erst später grub die damalige Bevölkerung meterweise Fels unter ihren eigenen Gebäuden weg, um kühle Lagerräume – vor allem für Bier – zu schaffen. Eine Arbeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann und die traditionell in den ruhigeren Wintermonaten erledigt wurde.

 

Eine kleine Wüste mitten in Franken

Im Nürnberger Reichswald zwischen Leinburg und Altdorf liegen bis zu 40 Meter hohe Binnendünen aus der letzten Eiszeit – eines der größten Dünengebiete Bayerns, 2016 sogar zum „Gestein des Jahres“ gekürt. Feiner Sand unter den Wanderschuhen, karge Heideflächen, verkrüppelte Kiefern: Für einen Moment fühlt es sich an, als hätte sich die Landschaft für ein paar Kilometer in eine andere Klimazone verirrt. Auf dem Fränkischen Dünenweg lässt sich dieses ungewöhnliche Stück „Wüste“ mitten im Wald erwandern, vorbei an Heideflächen und seltenen Flechtenkieferwäldern.

 

Fränkischer Dünenweg - Foto: Thomas Geiger
Fränkischer Dünenweg - Foto: Thomas Geiger

Feiern, Duelle und ein rausgeworfener Feldherr

In der Löwengrube bei Altdorf, einem stillgelegten Steinbruch tief im Felsen, feierten Studenten der Universität Altdorf (1575–1809) ausgelassen wilde Feste – inklusive verbotener Duelle, deren Klingen im Halbdunkel aufeinanderschlugen. Einer von ihnen war der junge Albrecht von Wallenstein, der wegen ständiger Streitereien die Universität verlassen musste, bevor er Jahrzehnte später als mächtigster Feldherr des Dreißigjährigen Kriegs Geschichte schrieb. Heute liegt die Grube still und moosbewachsen da, nur das Blätterrauschen erinnert noch an das einstige Treiben.

 

  • Foto: Thomas Geiger - Löwengrube
  • Foto: Denkzauber GmbH - Wallenstein Rundweg


Ein Fluss, zwei Bahnhöfe

Weil im 19. Jahrhundert zwei Bahnstrecken auf gegenüberliegenden Seiten der Pegnitz gebaut wurden, haben Lauf und Hersbruck bis heute je zwei Bahnhöfe – „links“ und „rechts der Pegnitz“, nur einen Fluss voneinander getrennt und doch mit eigenem Namen und eigenem Bahnsteig. Altdorf, Burgthann, Feucht und Röthenbach an der Pegnitz bringen es sogar auf jeweils drei S-Bahn-Stationen.

 

Kelten auf der Houbirg

Um 500 v. Chr. errichteten die Kelten bei Happurg eines der bedeutendsten Oppida Süddeutschlands. Reste der einst 4,5 Kilometer langen Wallanlage sind bis heute erhalten und ziehen sich, von Bäumen überwachsen, durch den Wald – wer sie erwandert, blickt am Ende auf den glitzernden Happurger See, mit der Ahnung, auf einer jahrtausendealten Stadtmauer zu stehen.

 

Hopfen mit Weltruf

Das Hersbrucker Gebirge um Hersbruck war Ende des 19. Jahrhunderts das größte Hopfenanbaugebiet der Welt. Heute ist die Fläche deutlich kleiner, nur noch rund zwölf Höfe halten die Tradition am Leben – darunter auch diverse Bio-Betriebe. Was bleibt, ist die Sorte „Hersbrucker“: mit ihrer feinen, erdigen Note längst auch in der amerikanischen Craft-Beer-Szene geschätzt, wo sie für aromatische Biere jenseits des Mainstreams sorgt.

 

  • Foto: Thomas Geiger - Alte Wallanlagen auf der Houbirg
  • Foto: Frank Boxler - Hopfenernte


Bienen für den Kaiser

Der Nürnberger Reichswald galt im Mittelalter als „Bienengarten des Heiligen Römischen Reiches", von 1296 bis 1796 gab es in Feucht ein eigenes Zeidelgericht für die Waldimker, die ihren Honig direkt aus den wilden Waldstöcken gewannen.

 

Eine Region voller Superlativen

Über 100 Burgen, Schlösser und Herrenhäuser thronen über Tälern und Flussläufen, acht Naturschutzgebiete bieten Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen, zehn Brauereien sorgen für frisch gezapfte Vielfalt im Glas, und wer im Winter Lust auf Pistenspaß hat, findet am längsten Skilift Mittelfrankens sein Glück. Eine Region, die auf vergleichsweise kleinem Raum eine erstaunliche Bandbreite an Superlativen versammelt – und dabei jedes Mal ein Stück weiter überrascht.

 

  • Foto: Thomas Geiger - Burg Hohenstein
  • Foto: Thomas Geiger - Frühling im Albachtal
  • Foto: Frank Boxler - Brauerei Wiethaler
  • Foto: Frank Boxler - Skilift in Osternohe
  • Foto: Nürnberger Land


Weitere Informationen zum Nürnberger Land gibt es unter urlaub.nuernberger-land.de.

 

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