• Karin Schreiber

Wilde Geschichte eines wilden Flusses: Der Churchill River


Kanutour auf dem Churchill River - Credit: Tourism Saskatchewan & Chris Hendrickson Photography

Bereits Jahrhunderte vor der Ankunft von Entdeckern und Pelzhändlern im Norden Amerikas war der Churchill River ein wichtiger Transport- und Handelsweg der indigenen Völker. Alte Felsmalereien der ersten Bewohner der Region säumen eine Route, die Zeit und Zivilisation getrotzt hat und durch eine Landschaft führt, die in ihrer ursprünglichen Form bis heute erhalten ist.



Ära des Pelzhandels


Auch wenn der Churchill River seine aktuelle Berühmtheit als Paddler-Eldorado erst durch moderne Kanuten und Kajak-Enthusiasten erlangte, eilt ihm bereits seit Jahrhunderten ein legendärer Ruf voraus. Es war im Jahr 1670, als mit königlicher Zustimmung das berühmte Handelsunternehmen Hudson's Bay Company gegründet wurde, das den Churchill River und viele andere wilde Flüsse im Norden Kanadas aus ihrem ruhigen Dasein erweckte und ein Jahrhundert voll wilder Heldentaten einleitete – die Zeit des kanadischen Pelzhandels. Es ist fast schon eine Ironie des Schicksals, dass einige der idyllischsten Flusssysteme und friedlichsten Landschaften zur Kulisse einer Ära von gesetzlosem Handel wurden. Im Mittelpunkt all dessen stand der kanadische Biber, dessen Felle die damalige Hutmode in Europa schmückten.


Mit dem Rückgang der Biberpopulation wagten sich die Trapper und Händler immer weiter in die Wildnis vor. Auf der ständigen Suche nach neuen und schnelleren Routen, drängten Namen wie David Thompson, Peter Pond, Alexander Mackenzie und Simon Fraser nach Westen und Norden, um Kanadas wilde Wasserwege zum Nutzen der Hudson's Bay Company, der neueren North West Company und der sich davon abgespaltenen XY Company zu erforschen und zu kartieren. Ohne es zu wissen, webte der Pelzhandel auch das komplizierte Gewebe, das diese Wildnis später als Nation zusammenhalten sollte.


Der Pelzhandel bot kein einfaches Dasein, das war am Churchill River mit Sicherheit nicht anders. Im Mittelpunkt des Lebens eines Voyageurs stand sein 12 Meter langes Frachtkanu. Dessen Konstruktion aus Rinde, Holz und Wurzeln erforderte ständige Reparaturen, die am Ende eines langen Tages im Schein des Feuers durchgeführt werden mussten. Das Abendessen bestand meist aus Pemmikan, eine nahrhafte und haltbare Mischung aus zerstoßenem Dörrfleisch und Fett, oder getrockneten Erbsen, die mit Wasser und Schmalz vermischt wurden. Bereits um 3 Uhr morgens begann der Tag von neuem.



Indigene Felsmalereien am Churchill River - Credit: Tourism Saskatchewan & Chris Hendrickson Photography

Indigene Völker am Churchill River


Die bewegte Geschichte des Churchill River als Rennstrecke der Pelzhändler war in der Zeitgeschichte jedoch nur ein kleiner Fingerschnipp. Die Bedeutung des mächtigen Flusses reicht noch viel weiter zurück. Die Cree nannten ihren Fluss Missinipe (großes Wasser). Archäologen schätzen, dass die Ureinwohner schon vor etwa 8.000 Jahren in dieser Region lebten. Noch gut erhaltene Felsmalereien am steinigen Ufer helfen dabei, eine Verbindung zu diesen längst vergangenen Tagen zu schaffen. Auch heute noch sprechen die lokalen indigenen Gemeinden mit Hilfe ihrer Überlieferungen, Legenden und Traditionen über die Geschichte ihrer Vorfahren.


Eine Paddeltour auf dem Churchill River ist eine Reise durch diese lebendige Geschichte. Die Ehrfurcht vor dem Fluss, die ihm von Generationen von Paddlern und ufernahen Gemeinden auf der Suche nach Nahrung, Lebensgrundlage und einer Verbindung zur Natur entgegengebracht wurde, ist heute so tief wie eh und je.


Noch bedeutender als die sichtbaren Eindrücke ist das, was man bei einer Paddeltour auf dem Churchill River fühlen und erleben kann, was eine derartige Erfahrung mit einem „macht“. In Kanusportkreisen ist ein berühmtes Zitat des ehemaligen kanadischen Premierministers Pierre Trudeau bekannt, das vielleicht am besten erklärt, warum Menschen die Annehmlichkeiten ihres Zuhauses verlassen, um in die Wildnis zu paddeln:


„What sets a canoeing expedition apart is that it purifies you more rapidly and inescapably than any other. Travel a thousand miles by train and you are a brute; pedal 500 on a bicycle and you remain basically a bourgeois; paddle a hundred in a canoe and you are already a child of nature.”

Pierre Trudeau: „Exhaustion and Fulfilment", 1944


Auf mehr als 1.600 Kilometern fließt der Churchill River von seinem Ursprung am Churchill Lake im Westen Saskatchewans ostwärts durch Kanadas Prärieprovinzen Saskatchewan und Manitoba, bis er in der Nähe von Churchill, Manitoba in die Hudson Bay mündet. Sein Einzugsgebiet reicht jedoch über einen Nebenfluss weit nach Alberta hinein.


In Saskatchewan bieten lokale Anbieter wie CanoeSki und Churchill River Canoe Outfitters geführte Paddeltouren auf dem Churchill River an oder helfen bei der Planung eines eigenen Kanuabenteuers. Erfahrene Kanuten, die ihre eigene Tour planen möchten, finden darüber hinaus im Online-Shop von GoTrekkers topografische Karten und eine große Auswahl an dokumentierten Kanurouten in Saskatchewan.


Weitere Informationen über Saskatchewan gibt es unter www.tourismsaskatchewan.com.

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