• Michaela Arnold

Stau in der Wildnis: „Who is who (and where)?“ in der Tierwelt der Northwest Territories

Wenn der Verkehr in den #NorthwestTerritories zum Erliegen kommt, liegt die Ursache in der Regel nicht etwa an einem zu hohen Verkehrsaufkommen oder an Straßenbauarbeiten. Wahrscheinlicher ist es, dass die Straße von der heimischen Tierwelt in Anspruch genommen wird. Während Autofahrer in unseren Breiten schnell mal nervös werden, sobald sich ein Stau anbahnt, nehmen sie den Stillstand in der Wildnis des Nordens kaum war, denn sie sind gedanklich und emotional gefangen in bewundernder Ektase.Tatsächlich zeigen sich die wilden Tiere in den Northwest Territories üblicherweise völlig unbeeindruckt von den Zeitplänen der Menschen, wenn sie gemütlich an der Mittellinie entlangschlendern. Schließlich sind sie es, nicht wir, die hier oben die Regeln machen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ein #Roadtrip durch den Norden mehr als einmal ins Stocken gerät – sei es durch eine Barrikade aus #Bisons, eine Horde neugieriger Bärenjungen oder eine riesige Herde von Karibus, die es nicht eilig zu haben scheint. Wenn die Kamera griffbereit liegt, sind unvergessliche Fotoaufnahmen dieser wilden Mitreisenden so gut wie garantiert. Hilfreich bei der Routenplanung ist mit Sicherheit das große „Who is who?“ der Tierwelt der Northwest Territories.


South Slave Region - Credit: NWT Tourism / Colin Field

#Waldbisons:

Eine Schulterhöhe von bis zu 1,80 Meter und ein Gewicht von fast einer Tonne erreichen die Waldbisons der Northwest Territories. Sie sind damit die größten Landtiere Nordamerikas und stellen selbst ihre etwas helleren Cousins aus der Prärie in den Schatten. Die Waldbisons ernähren sich von Seggen, Gräsern und anderen Pflanzen.

Wo? Waldbisons gibt es reichlich im Süden der Northwest Territories. Besonders im und rund um den Wood Buffalo National Park, auf dem Highway No.3 zwischen Fort Providence and Behchoko sowie auf dem Liard Trail sollte man nach ihnen Ausschau halten.

Wann? In den Northwest Territories kann man eigentlich das ganze Jahr über Waldbisons sehen. Im Sommer versammeln sie sich besonders gerne entlang der Highway-Schneisen, da der Wind ihnen dort die Fliegen vom Leib hält.


#Elche:

Elche gehören zur Familie der Hirsche. Manchmal erreichen sie eine Schulterhöhe von mehr als 1,80 Meter und ein Gewicht von nahezu 500 Kilogramm. Die Männchen tragen normalerweise riesige Schaufeln. Im Sommer ernähren sich die Tiere von Laichkraut und Seerosen, im Winter dagegen knabbern sie an Bäumen.

Wo? Elche sind auf dem Festland der Northwest Territories fast allgegenwärtig, aber es lässt sich nur schwer einschätzen, wo und wann man einen der einsamen Wanderer zu Gesicht bekommt. Die besten Chancen gibt es am Liard Highway oder in den Mackenzie Mountains.

Wann? Elche kann man ganzjährig sehen, aber besonders aussichtsreich ist eine Begegnung im Herbst. Während der Brunftzeit sind die männlichen Tiere oft weniger scheu, als normalerweise üblich.


#Grizzlybären:

Mit ihrer langen Schnauze, dem markanten Buckel und einer Art Kragen um den muskulösen Hals sind Grizzlybären in den Northwest Territories ein wohlbekanntes Raubtier. Die Waage kann bei ihnen gut und gerne bis auf 200 Kilogramm ausschlagen. Grizzlies sind Allesfresser. Sie verdrücken von Wurzeln bis zu Moschusochsen alles, was ihnen über den Weg läuft.

Wo? Grizzlybären sind sowohl in den Bergen als auch in den Barrenlands der Northwest Territories verbreitet. Der wahrscheinlichste Ort für Besucher, auf einen Grizzly zu treffen, ist entlang des Dempster Highways. Hier patrouillieren die Tiere auf der Suche nach Futter durch das offene, alpine Land.

Wann? Die besten Aussichten, Grizzlybären zu sehen, sind im späten Frühling, im Sommer und im Herbst.


#Luchse:

Luchse sind auch als Tiger der Wälder des Nordens bekannt. Als furchterregende, stattliche und unverwechselbare Geschöpfe mit großen Pfoten, schlaksigen Beinen, Ohrenbüscheln und einem Gewicht von bis zu 25 Pfund durchstreifen sie die borealen Wälder auf der Jagd nach Schneeschuhhasen.

Wo? Luchse gibt es in den gesamten Northwest Territories, werden aber am häufigsten in der Dehcho Region (entlang des Liard und Mackenzie Highways) und im Mackenzie Delta (entlang des Dempster Highways) gesichtet.

Wann? Ganzjährig


#Eisbären:

Auch der große, weiße König der Arktis ist in den Northwest Territories zu Hause. Mit einem Gewicht von bis zu 500 kg und einer aufrechten Größe von fast 3 Metern sind die Eisbären umherwandernde Einzelgänger. Sie ernähren sich hauptsächlich von Seehunden.

Wo? Eisbären können überall entlang der arktischen Küste sowie auf den Inseln der Hocharktis gesichtet werden. Auch bei einer Fahrt auf dem neuen Inuvik-Tuktoyaktuk-Highway gibt es die kleine Chance einer Begegnung.

Wann? Eisbären kann man im Sommer und frühen Herbst an Land sehen. Im restlichen Jahr sind sie dort, wo sie hingehören – weit draußen auf dem Meereseis.


#Dallschafe:

Die strahlend weißen, flinken Bergschafe wiegen normalerweise zwischen 60 und 90 Kilogramm. Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen bernsteinfarbene, gebogene Hörner. Dallschafe ernähren sich von Flechten, Moosen und Gräsern.

Wo? Dallschafe sind echte Alpinisten – was bedeutet, dass man in bergigere Regionen fahren muss, um sie zu sehen. Autofahrer können einen Blick auf sie ergattern, wenn sie aus dem Yukon kommend in die Nordwest Territories hineinfahren, etwa auf dem Tungsten, South Canol oder Dempster Highway.

Wann? Sommer


#Moschusochsen:

Moschusochsen reichen einem erwachsenen Mann bis zur Brust und können dabei mehr als 300 Kilogramm wiegen. Die Huftiere erinnern entfernt an Schafe und sind Überbleibsel aus der letzten Eiszeit. Sie tragen eine Unterschicht aus extrem warmer Wolle, die von einer struppigen Mähne aus dunkelbraunen Haaren bedeckt ist. Zu ihrer Nahrung zählen Weiden, Sträucher und Krähenbeeren.

Wo? Die Mehrzahl aller Moschusochsen weltweit lebt auf Banks Island in der Hocharktis. Sehr selten tauchen die Tiere auch in anderen Regionen der Northwest Territories auf, u.a. auf der Sahtu Winterstraße sowie in der Nähe der Städte Yellowknife und Fort Smith.

Wann? Ganzjährig


#Rentiere:

Rentiere sind eine domestizierte Version der Karibus. Mit ihren wilden Cousins teilen sie ihre schlaksigen Proportionen sowie die gespreizten Hufen, die an Schneeschuhe erinnern. In der Regel sind Rentiere weiß, bräunlich oder braun und beide Geschlechter tragen Geweihe.

Wo? Die größte Rentierherde Kanadas umfasst rund 3.000 Tiere und durchstreift die Tundra des Mackenzie Deltas.

Wann? Im Frühjahr, wenn man in Inuvik das Frühlingsfest „Muskrat Jamboree“ feiert,  werden die Rentiere zu ihren Kalbungsgebieten an der arktischen Küste getrieben. Hunderte Zuschauer versammeln sich dann nördlich der Stadt, um sie beim Überqueren der winterlichen Eisstraße zu beobachten.


#Wölfe:

Viele Mythen und Geheimnisse ranken um den Wolf, der in den Northwest Territories stark vertreten ist. Mit Fellfarben von geisterhaftem weiß bis hin zu rabenschwarz erinnern die Wölfe an langbeinige Huskys und können dabei bis zu 50 Kilogramm wiegen. Wölfe leben in Rudeln und ernähren sich von Karibus, Moschusochsen und Elchen.

Wo? Autofahrer haben entlang aller Highways der Northwest Territories gute Aussichten, Wölfe zu erblicken. Allerdings sind sie sicherlich im Norden, entlang des Dempster Highways und weiter südlich in der Nähe des Wood Buffalo National Parks am meisten verbreitet.

Wann? Ganzjährig.


#Schwarzbären:

Schwarzbären sind die kleinste und am weitesten verbreitete Bärenart der Northwest Territories. Sie können bis zu 180 Kilogramm wiegen und haben eine Schulterhöhe von etwa einem Meter. Schwarzbären ernähren sich typischerweise von Pflanzen, Eiern, Beeren und Aas.

Wo? Entlang aller Highways, die durch waldreiches Gebiet führen, z.B. Highways No. 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7.

Wann? Im Frühjahr scheinen die Schwarzbären die Straßenränder regelrecht zu überschwemmen. Reisende haben bereits von mehr als zwei Dutzend Schwarzbären bei einer einzigen Tagesetappe berichtet.


#Karibus:

Mit einem Gewicht von bis zu 140 Kilogramm und einer Schulterhöhe von mehr als einem Meter stellten die Karibus in den Northwest Territories als herrenlose Huftiere traditionell eine begehrte Nahrungsquelle für den Menschen dar. Karibus haben lange Beine und breite Hufe, die sich bestens zum federleichten Marschieren über den Schnee eignen, und ernähren sich hauptsächlich von Flechten.

Wo? Waldkaribus steifen in geringer Dichter durch die Wälder der Northwest Territories. Bessere Aussichten auf eine Begegnung gibt es bei den Barrenground Karibus, die riesige Herden bilden. Es rentiert sich, entlang des Dempster und Inuvik-Tuktoyaktuk-Highways sowie auf der Eisstraße von Tibbitt nach Contwoyto im Nordosten Yellowknifes nach ihnen Ausschau zu halten.

Wann? Ganzjährig auf dem Inuvik-Tuktoyaktuk-Highway. Im Herbst auf dem Dempster Highway. Im Winter und Frühling auf der Eisstraße von Tibbitt nach Contwoyto.


#Schneehühner:

Wer glaubt, diese charmanten kleinen Federbälle seien nicht sonderlich clever, übersieht die Tatsache, dass die Schneehühner wahre Meister der Tarnung sind. Im Sommer fügen sie sich nahtlos in die Tundra und das Unterholz ein, im Winter kann man sie schnell einmal mit flauschigen Schneeballen verwechseln.

Wo? Überall in den Northwest Territories. Im Winter sieht man sie häufig in Scharen und in niedriger Höhe über die Straßen flattern.

Wann? Ganzjährig, obwohl sie im Sommer schwieriger zu sehen sind. Sie lieben es, in den nördlicheren Regionen der Northwest Territories zu brüten.


Weitere Informationen über die Northwest Territories gibt es unter www.spectacularnwt.de.