• Karin Schreiber

First Nations Kultur zum Anfassen im Wanuskewin Heritage Park


Wanuskewin Heritage Park - Credit: Tourism Saskatoon & Nick Biblow

Am Rande der Prärie, wo der Opimihaw Creek in den South Saskatchewan River fließt, fanden die Ureinwohner der Northern Plains vor rund 6.000 Jahren einen Platz, der ihnen Frieden und Harmonie versprach. „Wanuskewin“ nannten ihn die Stammesältesten. Das ist Cree und bedeutet „auf der Suche nach innerem Frieden“ oder „Leben in Harmonie“. Zahlreiche Generationen sind seither in dieses Tal zurückgekehrt, um gemeinsam zu feiern und die Geschichten ihrer Vorfahren zu erzählen.


Rhythmische Trommelklänge schallen durch die Prärie. Der Herzschlag von Mutter Erde. Eine Gruppe junger Ureinwohner sitzt im Kreis um eine große Trommel und schlägt die Stöcke in kraftvollem Gleichklang auf das Instrument. Der Takt wird begleitet von ihrem lauten und leidenschaftlich vorgetragenen traditionellen Gesang. Schnell wird uns klar, dass die menschliche Stimme das eigentliche Hauptinstrument der kanadischen First Nations ist. Und Grundlage für ihren traditionellen Tanz. Es ist Pow Wow im Wanuskewin Heritage Park. Jedes Jahr im August versammeln sich Vertreter der Aboriginal People Saskatchewans an diesem geschichtsträchtigen Ort, um ihre Kultur und die alten Traditionen zu feiern. Jeder darf mitmachen, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe. Wir beobachten, wie ein junger Ureinwohner einer kleinen Familie die Bestandteile seiner prächtigen traditionellen Tracht erklärt. Echte First Nations Kultur zum Anfassen!


Gerade mal 5 km nördlich der lebhaften Großstadt Saskatoon liegt der Wanuskewin Heritage Park. Hier, wo sich die nördlichen Prärieindianer seit Jahrtausenden versammelten, nehmen uns ihre Nachfahren heute mit auf eine aufregende Zeitreise in die Vergangenheit. Jahr für Jahr kamen die Ureinwohner zum Opimihaw Creek, um Bisons zu jagen und Pflanzen zu sammeln.

Anfang der 80er Jahre begannen erste archäologische Arbeiten in der Region rund um Wanuskewin. Schon bald war klar, dass man es hier mit einem regelrechten „archäologischen Wunder“ zu tun hatte. Die Forscher fanden eine Fülle an Pfeilspitzen und Bisonknochen – ein Zeichen, dass dieser Ort als traditionelle Jagdstätte, einem „Buffalo Jump“, genutzt wurde. Die Bisons wurden zunächst von einer Ebene über abgesteckte Wege an den Rand einer Klippe getrieben, und stürzten dort einige Meter in den Abgrund zu Tode. Im Jahr 1987 ernannte Queen Elizabeth II den Wanuskewin Heritage Park zu einer National Heritage Site, fünf Jahre später wurde er für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute ist der Park eine der National Historic Sites Kanadas.


Mittelpunkt der Anlage ist das Besucherzentrum, das mit seiner ausgefallenen und preisgekrönten Architektur auf einem Hügel oberhalb des Tals thront und den Opimihaw Creek überblickt. Hier gibt es Filmvorführungen sowie eine Galerie für traditionelle und zeitgenössische indianische Kunst. An den Wochenenden werden diverse Mitmachprogramme angeboten, die von den Parkmitarbeitern mit indianischer Abstammung entwickelt und begleitet werden. Neben geführten Spaziergängen zu spezifischen Themen gibt es Kurse in der Errichtung eines Tipis, im Bau eines Dream-Catchers oder im Backen von Bannock, dem traditionellen Fladenbrot der First Nations. Handanlegen ist hier ausdrücklich erwünscht! Wer außerhalb des Pow Wows kommt, kann sich außerdem die in den Sommermonaten täglich stattfindenden traditionellen Tanzvorführungen im Amphitheater anschauen. Wir lassen es etwas ruhiger angehen und lauschen beim Storytelling den alten Geschichten, die von den Stammesältesten von Generation zu Generation weitergetragen werden.


Ebenso authentisch geht’s im Restaurant des Wanuskewin Heritage Parks weiter. Traditionelle Komponenten der First Nations Küche werden hier mit Elementen moderner Esskultur verbunden. Wir lassen uns einen Bisonburger mit Wildreissalat schmecken, dazu natürlich frisch gebackenes Bannock. Erst vor kurzem wurde das Restaurant zu einem der 12 besten indigenen Restaurants in ganz Kanada ausgezeichnet.


Bestens gestärkt geht’s jetzt wieder raus ins Freie, wo eine Fläche von rund 145 ha unberührter, naturbelassener Prärielandschaft auf uns wartet. Auf landschaftlich reizvollen Wanderwegen mit so klangvollen Namen wie „Path of the People“ oder „Trail of the Buffalo“ werden unterschiedliche Themen aus dem Leben der Prärieindianer erläutert. Mit etwas Glück kann man entlang der Pfade auch heute noch archäologische Ausgrabungen beobachten, denn Mitarbeiter und Studenten der University of Saskatchewan sind hier nahezu täglich am Arbeiten.


Weitere Infos gibt’s unter www.wanuskewin.com.