• Karin Schreiber

Auf indigenen Pfaden in Manitoba


Indigene Kultur in Manitoba - Credit: Bill Bennett (Courtesy of Travel Manitoba)

Bei einer Reise durch Manitoba trifft man auf allerlei Orte, die von der reichhaltigen indigenen Kultur und Geschichte im Herzen Kanadas zeugen. Schließlich liegt die Provinz im Gebiet von Treaty 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 10 – d.h. sieben der insgesamt elf „Numbered Treaties“, die von 1871 bis 1921 zwischen der kanadischen Regierung und verschiedenen indigenen Gruppierungen geschlossen wurden – und somit im traditionellen Land der Anishinabe, Cree, Oji-Cree, Dakota und Dene sowie in der Heimat der Métis, den Nachkommen von indigenen Frauen und europäischen Pelzhändlern. Wer Stätten der First Nations besucht, an geführten Touren oder Workshops teilnimmt, die von Vertretern der lokalen indigenen Gruppen angeboten werden, oder sich in einer Unterkunft mit indigenen Gastgebern einquartiert, darf sich auf einzigartige Einblicke in die spannende(n) Geschichte(n) der Ureinwohner und die ausgeprägten indigenen Wurzeln Manitobas freuen.


Winnipeg:


The Forks

Viele kennen The Forks als geselligen Ort, um sich mit Freunden zu treffen und auszugehen. Er ist jedoch viel mehr als das! Mit dem Red River und dem Assiniboine River treffen hier zwei bedeutende Wasserwege aufeinander, so dass er von jeher einer der geografisch wichtigsten Punkte in Westkanada war. An der heutigen The Forks National Historic Site stellen Plätze wie der Oodena Celebration Circle eine eindrucksvolle Hommage an die Ureinwohner der Region dar, die diesen Ort bereits seit über 6.000 Jahren als Versammlungsstätte nutzten. Das drei Meter tiefe Becken war einst mit Erdreich voll indigener Artefakte gefüllt.


Oodena Celebration Circle an der National Historic Site The Forks - Credit: The Forks

Auch Niimaamaa, der riesigen und mutig gestalteten Skulptur einer schwangeren Frau, sollte man Beachtung schenken. Es verwundert kaum, dass das Wort Niimaamaa in der Sprache der Cree, Ojibwe und Métis „meine Mutter" bedeutet, denn die rund neun Meter hohe Statue steht für Mutterschaft, Mutter Erde und Neuanfänge. Die Skulptur befindet sich am Eingang von Niizhoziibean, einem Areal, das direkt südlich des Zusammenflusses von Assiniboine und Red River liegt und früher als „South Point“ bekannt war. Mit diversen indigenen Skulpturen und einer neuen Teaching Lodge verkörpert Niizhoziibean nicht nur den Geist der traditionellen Vergangenheit von The Forks, sondern erweitert auch das Verständnis darüber, was dieser Ort bedeutet - ein gemeinschaftlicher Raum, in dem die Menschen seit Jahrtausenden zusammenkommen, um Handel zu treiben, Pflanzen anzubauen und das Leben zu gestalten.


Die lange und ereignisreiche Geschichte der indigenen Völker Manitobas, mit ihren vielen spannenden Geschichten und Legenden, lässt sich hervorragend bei der 90-minütigen Oral History Walking Tour ergründen, die im Sommer an ausgewählten Terminen von Stammesältesten an der The Forks National Historic Site angeboten wird.


Canadian Museum for Human Rights:

Auch das beeindruckende Canadian Museum for Human Rights steht mit seiner ausgefallenen Architektur in exponierter Lage am Ufer des Red River und somit direkt in der The Forks National Historic Site. In seinen zehn Galerien beleuchtet es das Thema der Menschenrechte und ihrer Verletzungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven, darunter die Geschichte der kanadischen First Nations. In einem der eindrucksvollsten Räume des Museums steht ein kreisförmiges Theater aus gebogenen Holzlatten im Mittelpunkt, die zum Teil mit indigenen Originalkunstwerken versehen sind. Hier erzählt ein 360°-Film bewegende Geschichten über die Rechte und die Verantwortung der indigenen Völker aus der Perspektive von vier verschiedenen Generationen.


Canadian Museum for Human Rights - Credit: Ben Jaworskyj

Exchange District

Winnipegs Kunstgalerie Urban Shaman im beliebten Exchange District, dem einstigen Kultur- und Handelszentrum der Stadt, begeistert mit einem sehr moderneren Ansatz. Sie gilt als einer der wichtigsten Ausstellungsorte für zeitgenössische indigene Kunst in ganz Kanada.


QAUMAJUQ

Auch die Winnipeg Art Gallery (WAG) trägt zur indigenen Kunst-Szene Kanadas bei, denn schließlich beheimatet sie mit dem Inuit Art Centre QAUMAJUQ die weltweit größte öffentliche Sammlung zeitgenössischer und traditioneller Kunst der Inuit. Durch viele erzählte Geschichten und Videoeinspielungen sowie interaktive Elemente werden die Exponate hier in einen kulturellen und historischen Kontext gesetzt.


Qaumajuq - Credit: JP Media Works (Courtesy of Travel Manitoba)

Saint Boniface Museum

Als Hüter des frankophonen Erbes sowie der Kultur der Métis ist Winnipegs Saint Boniface Museum ein Muss für alle, die sich mit der Geschichte der Provinzhauptstadt auseinandersetzen möchten. Im Fokus steht hier insbesondere Louis Riel, dem es als Anführer der Métis im Jahr 1870 in der Red River Rebellion gelang, eine eigene Provinz innerhalb der Dominion of Canada zu erkämpfen. Er gilt bis heute als Vater und Begründer der Provinz Manitoba. Zu ausgewählten Terminen werden geführte Stadtspaziergänge angeboten, die einen tiefen Einblick in die Geschichte und das Leben der Métis in Winnipeg geben. Äußerst beliebt sind auch die von der Métis-Künstlerin Julie Desrochers geleiteten Workshops für Perlenstickerei, in denen sowohl traditionelle Techniken als auch kulturelle Zusammenhänge vermittelt werden.


Saint Boniface Museum - Credit: Travel Manitoba

Feast Café Bistro

Das Feast Café Bistro in Winnipegs West End ist eines der wenigen indigenen Restaurants in ganz Kanada und füllt damit eine köstliche Lücke in der Gastro-Szene des Landes. Frisch gefangener Zander oder langsam gebratener Bison aus Manitoba passen wunderbar zu einem heißen Stück Bannock, dem traditionellen Fladenbrot der Ureinwohner. Die Besitzerin und Küchenchefin Christa Bruneau-Guenther vom Stamm der Peguis First Nation serviert moderne Gerichte, die in der traditionellen Küche der Ureinwohner verwurzelt sind.


Das indigene Feast Café Bistro - Credit: Travel Manitoba

Südliches Manitoba:


Bannock Point Petroforms, Whiteshell Provincial Park

Bereits seit Tausenden von Jahren nutzten die Ureinwohner Kanadas das Gebiet des heutigen Whiteshell Provincial Parks im Südosten Manitobas für Jagd, Fischfang und Handel sowie viele andere Dinge. Auch der Name des Parks – Whiteshell – geht auf die Mythologie der Ureinwohner zurück. Diese besagt, dass der Schöpfer den Menschen mit Hilfe der kleinen, heiligen Muscheln, die überall im Park zu finden sind, das Leben einhauchte. An den Bannock Point Petroforms wird die indigene Geschichte der Region auch heute noch lebendig. Die Anishinabe bezeichnen diese Stelle als Manitouabee, den Ort, „an dem der Geist sitzt“. Die heilige Stätte beherbergt Steinformationen in Form von Schlangen, Schildkröten und einem Donnervogel, die vermutlich bereits vor Jahrhunderten für Lehr- und Heilungszeremonien an Ort und Stelle platziert wurden. Bei einem kleinen Spaziergang kann man das Areal auf eigene Faust erkunden. Spannende Erläuterungen gibt es bei einer Tour mit Diane Maytwayashing von Whiteshell Petroforms. Diane ist selbst Anishinabe und ein „Knowledge Keeper“ und „Heritage Interpreter“ der Bannock Point Petroforms. Von Mai bis Oktober bietet sie rund 1 ½-stündige Spaziergänge an, bei denen sie überlieferte Geschichten und Lehren über einzelne Steinformationen erzählt.


Tour an den Bannock Point Petroforms im Whiteshell Provincial Park - Credit: Travel Manitoba

Moon Gate Guest House, Whitemouth

Unweit der kleinen Stadt Whitemouth und damit vor den Toren des Whiteshell Provincial Parks liegt in idyllischer Lage am Ufer des Whitemouth River das Moon Gate Guest House. Neben fünf liebevoll eingerichteten Zimmern bieten die Besitzer Jenny und Michel Dupas – beide Métis – ein traditionelles Rundhaus, eine Schwitzhütte sowie zu besonderen Zeiten indigene Zeremonien und Lehrveranstaltungen und damit einen spannenden Einblick in die spirituelle Welt der hier heimischen First Nations.


Cedar Lake Ranch

Keine 40 Minuten östlich von Winnipeg liegt auf einem rund 40 Hektar großen Grundstück inmitten von Mutter Natur die Cedar Lake Ranch. Ihre indigenen Besitzer veranstalten traditionelle Workshops und kulturelle Lehrveranstaltungen für Gruppen, aber auch öffentliche Veranstaltungen und Zeremonien stehen zu ausgewählten Terminen auf dem Programm. Das Gelände bietet ideale Voraussetzungen für einen tiefen Einblick in die alten Rituale, verfügt es doch über eine traditionelle Teaching Lodge, ein riesiges Tipi, Schwitzhütten und einen Medizingarten.


Riding Mountain National Park

Auch im Riding Mountain National Park gibt es in den Sommermonaten an ausgewählten Terminen Besucherprogramme für eine indigene Sicht auf die Dinge.

Musikalisch geht es bei der Veranstaltung Gudoochiigeh - The Sounds of the Anishinabe Fiddle zu, die die Frage aufwirft, ob man guh-DOO-chii-GEH (ein Instrument spielen) kann. Hier wird musiziert und getanzt und nicht zuletzt gelauscht, während ein lokaler Musiker der Anishinabe die längst vergessene Geschichte erzählt, wie seine Vorfahren die Fiddle entdeckten.

Die im Park beheimatete Bisonherde steht bei der Tour Meh-wen-ZHA (eine Zeit vor langer Zeit) im Fokus. An der Lake Audy Bison Enclosure erläutert ein Mitarbeiter von Parks Canada, wie die Anishinabe einst gemeinsam mit den Bisons in der Region lebten.

Ärmel hochkrempeln und mitmachen, so heißt die Devise im großen Tipi, das unweit des Besucherzentrums von Parks Canada in Wasagaming errichtet wurde. Regelmäßig wird hier ein Workshop für traditionelles Kunsthandwerk der Anishinabe angeboten, bei dem gelehrt wird, wie man oo-zhi-TOON (ein Objekt herstellt).


Im heutigen Riding Mountain National Park lebten die Anishinabe einst mit den Präriebisons - Credit: Travel Manitoba

Fort La Reine, Portage La Prairie

Am Rande der kleinen Ortschaft Portage La Prairie veranschaulicht das Fort la Reine Museum mit seinen mehr als 25 historischen Gebäuden das Leben der frühen Pioniere in einer Präriegemeinde zwischen den Jahren 1738 und 1950. Doch auch die indigenen Geschichten der Region rücken hier in den Fokus. In den Sommermonaten werden an ausgewählten Terminen Workshops angeboten, die sich mit der Kultur der Anishinabe befassen. Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Teezeremonien, die Vorführung traditioneller Tänze oder Nähstunden für traditionelle Kleidung.


Buffalo Point Resort

Buffalo Point, eine Halbinsel, die im äußersten Südosten Manitobas in den Lake of the Woods hineinragt, liegt auf dem traditionellen Land der Anishinabe. Die Landschaft bietet ein visuelles Spektakel von zerklüfteter, naturbelassener Schönheit. Sieben Kilometer feinster Sandstrand säumen hier das Seeufer und laden zu tollen Erlebnissen am und im Wasser ein. Besucher können sich in den gemütlichen Cabins des Buffalo Point Resorts einquartieren, das unter indigener Leitung geführt wird.


Nördliches Manitoba:


Sub Arctic Explorers, Churchill

Wer eine Reise nach Churchill unternimmt, um die subarktische Tundra an der Küste der Hudson Bay zu entdecken, sollte sich in die Obhut von Sub Arctic Explorers begeben, um die Gegend aus einer indigenen Perspektive kennenzulernen. Der Besitzer Leroy Whitmore ist Inuit und zeigt seinen Gästen bei ganz- und halbtägigen, privat geführten Ausflügen die bekannten Schauplätze der Region. Nicht selten läuft bei diesen Touren, insbesondere im Herbst, der ein oder andere Eisbär vor die Kameralinse. Im Itsanitaq-Museum gibt es schließlich einen interessanten Einblick in das Leben und die Kultur der in der Region heimischen Inuit. Die dortige Sammlung an Schnitzereien und Artefakten zählt zu den weltweit schönsten und ältesten ihrer Art und umfasst Exponate aus verschiedenen Epochen.


Itsanitaq Museum in Churchill - Credit: Travel Manitoba

Wapusk Adventures, Churchill

Eine epische Fahrt durch den borealen Wald verspricht ein Besuch von Wapusk Adventures außerhalb von Churchill. Per Hundeschlitten nimmt Chef-Musher Dave Daley, seines Zeichens Métis und Mitbegründer der berühmten Hudson Bay Quest, seine Gäste mit auf eine dynamische Reise. Dabei wird er nicht müde, durch persönliche Erzählungen einen bemerkenswerten kulturellen Rahmen für dieses einzigartige Erlebnis zu schaffen. In Ermangelung an Schnee finden die Fahrten im Sommer mit einem Hundewagen auf Rädern statt.


Dave Daley von Wapusk Adventures - Credit: Travel Manitoba

Beyond Boreal Expeditions, Churchill

Mit ihrem kleinen Unternehmen Beyond Boreal Expeditions hat Tiffany Spence, eine junge, indigene Fotografin aus Churchill, ihre Leidenschaft für die Subarktis und die Fotofotografie zum Beruf gemacht. Durch ihre privat geführten Ausflüge rückt sie die Tierwelt, Natur und Geschichte von Churchill und Umgebung in den Fokus – Fotografie und eine indigene Perspektive spielen dabei stets eine übergeordnete Rolle.


Wat’chee Expeditions, Wapusk National Park

Rund 65 Kilometer südlich von Churchill betreibt Wat’chee Expeditions eine Full-Service Wilderness Lodge unter indigener Leitung. In der Sprache der Cree bedeutet das Wort Wat’chee „ein mit Bäumen bewachsener Hügel inmitten der Tundra“. Und genau wie eine von Tundralandschaft umgebene Oase liegt die Watch’ee Lodge am Rande des Wapusk National Parks, dem flächenmäßig größten Gebiet von Eisbären-Geburtshöhlen in der gesamten Arktis. Im Winter erblickt der Eisbären-Nachwuchs der südlichen Hudson Bay hier das Licht der Welt, bevor die niedlichen Kleinen ihre Geburtshöhlen im Frühjahr gemeinsam mit der Mutter verlassen, um die Umgebung zu erkunden. Mit Genehmigung von Parks Canada bietet Wat’chee Expeditions in dieser Zeit Touren in den Wapusk National Park an. In kleinen Gruppen begibt man sich dann auf die Suche nach den Eisbärenfamilien und erfährt dabei so einiges über die Bärenhöhlen sowie die Gewohnheiten und den Lebenszyklus der Tiere.



Weitere Informationen über Manitoba gibt es unter www.travelmanitoba.com.

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