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Zwischen Gras und Himmel: Vogelbeobachtung mit einem Profi

Aktualisiert: vor 15 Minuten

Warum Saskatchewans schönste Birding-Momente mit lokalem Wissen beginnen


Gelbkopf-Schwarzstärling,  Nicolle Flats Interpretive Area - Credit: Tourism Saskatchewan
Gelbkopf-Schwarzstärling, Nicolle Flats Interpretive Area - Credit: Tourism Saskatchewan

„Wartet mal kurz.“

Die Gruppe ist kaum ein paar Schritte gelaufen, als der Guide plötzlich innehält.

„Hört mal genau hin.“

Für einen Moment ist da nichts als der Wind, der durch das Präriegras streicht. Dann ein kurzer, kaum hörbarer Gesang. Noch bevor irgendjemand den Ton richtig orten kann, zeigt der Guide bereits auf eine Stelle weit draußen im Gras.

„Eine Baird-Ammer.“

Die anderen sehen: erstmal nichts. Gras, Himmel, Weite. Für einen erfahrenen Vogel-Guide dagegen ist hier jede Menge los. Jedes Geräusch, jede Bewegung und selbst kleine Veränderungen in der Vegetation liefern Hinweise darauf, wer sich gerade im Gras versteckt, über den Himmel zieht oder irgendwo in der Ferne auf einem Zaunpfahl sitzt.

 

Wenn die Prärie plötzlich Zeichen gibt

Vogelbeobachtung in Saskatchewan bedeutet weit mehr, als mit dem Fernglas nach Vögeln Ausschau zu halten. Es geht vor allem darum, genau hinzuhören und hinzusehen: ein kaum wahrnehmbarer Ruf, die Silhouette eines Vogels im Morgenlicht, ein Greifvogel, der seine Kreise über einem Feuchtgebiet zieht. Oder diese plötzliche Stille, die verrät, dass Vögel irgendwo Gefahr gewittert haben.

Erfahrene Guides bestimmen daher nicht nur Vogelarten. Sie können die Landschaft lesen. Nach unzähligen Stunden in Saskatchewans Prärien und Feuchtgebieten, in Wäldern und an Seen wissen sie, welche Arten welche Lebensräume bevorzugen und wo sich die Suche gerade besonders lohnt. Wo Besucher zunächst einfach nur eine schöne Landschaft sehen, entdecken sie Lebensräume, Verhaltensmuster und jede Menge Möglichkeiten für die nächste spannende Sichtung.

 

  • Nicolle Flats Interpretive Area - Credit: Tourism Saskatchewan
  • Duck Mountain Provincial Park - Credit: Tourism Saskatchewan
  • Präriebussard - Credit: Tourism Saskatchewan

Der Hotspot von gestern kann heute leer sein

Denn Vögel halten sich nun einmal an keinen Reiseplan. Zugrouten und -zeiten verschieben sich, Wasserstände steigen oder fallen, Wettersysteme ziehen durch und mit ihnen verändert sich das Verhalten der Tiere. Ein Feuchtgebiet, in dem sich gestern noch zahlreiche Watvögel tummelten, kann heute nahezu verlassen sein. Dafür herrscht vielleicht nur wenige Kilometer entfernt plötzlich Hochbetrieb.

Lokale Vogel-Guides beobachten solche Veränderungen über Jahre hinweg. Sie wissen, wo Vögel zu einer bestimmten Jahreszeit fressen, brüten oder rasten und welche Plätze sich unter den aktuellen Bedingungen besonders lohnen. In einer Provinz so groß und landschaftlich vielfältig wie Saskatchewan kann dieses Wissen darüber entscheiden, ob es bei einem schönen Ausflug bleibt oder plötzlich genau der Vogel vor einem sitzt, auf den man schon lange gehofft hat.

 

Ein Paradies für Birding-Fans

Rund 420 Vogelarten wurden im Jahresverlauf in Saskatchewan dokumentiert, kein Wunder also, dass die Provinz zu den herausragenden Birding-Destinationen Nordamerikas zählt. Und abwechslungsreicher könnte die Kulisse kaum sein! Die ursprüngliche Prärie bietet begehrten Graslandvögeln wie Baird-Ammer und Präriepieper wichtigen Lebensraum, während die weitläufigen Feuchtgebiete Millionen von Zugvögeln als Rastplätze dienen. Darunter befindet sich auch der bedrohte Schreikranich, einer der seltensten Vögel Nordamerikas.

Dazwischen erstreckt sich das sogenannte Aspen Parkland, eine von Espenhainen und offenem Grasland geprägte Übergangszone zwischen Prärie und Wald. Weiter nördlich beginnt schließlich der boreale Wald. Hier sind Spechte und Eulen zu Hause, und mit etwas Glück zeigt sich sogar ein imposanter Bartkauz.

Die spannende Frage lautet in Saskatchewan also eigentlich nicht, ob es Vögel zu entdecken gibt. Sondern wo. Und wann.

 

  • Schweifhuhn - Credit: Nick Saunders
  • Great Blue Heron Provincial Park - Credit: Tourism Saskatchewan
  • Kanadakraniche - Credit: Tourism Saskatchewan
  • Schneegänse bei Moose Jaw- Credit: Devona Hill Photography.
  • Schieferrücken-Königstyrann - Credit: Tourism Saskatchewan
  • Helmspecht, Moose Mountain Provincial Park - Credit: Neil Zeller Photography

Mehr als ein Haken auf der Liste

So mancher Birding-Fan reist mit einer ziemlich konkreten Wunschliste nach Saskatchewan. Vielleicht soll endlich eine bestimmte Art auf die persönliche Life List (die Liste aller Vögel, die man im Laufe seines Lebens bereits beobachten konnte) oder das lang ersehnte Foto gelingen. Ein guter Guide erhöht die Chancen darauf erheblich. Doch meistens nimmt man am Ende noch etwas anderes mit.

Denn statt einfach nur auf den nächsten Vogel zu zeigen, erklären erfahrene Guides, warum bestimmte Arten gerade diesen Lebensraum wählen, welchen Einfluss das Wetter auf ihre Bewegungen hat oder wie sich Vögel bereits anhand ihres Flugverhaltens und Gesangs unterscheiden lassen.

Und irgendwann passiert etwas Spannendes: Man entdeckt die ersten Hinweise selbst. Plötzlich ist ein Feld nicht mehr einfach nur ein Feld und ein Feuchtgebiet nicht nur eine hübsche Fotokulisse. Man hört genauer hin, schaut länger und beginnt zu verstehen, wie eng die Vogelwelt mit der Landschaft verbunden ist.

 

  • Redberry Lake Biosphere Region - Credit: Chris Hendrickson Photography
  • Pike Lake Provincial Park - Credit: Chris Hendrickson Provincial Park

Kein Birding-Tag gleicht dem anderen

Während eine Gruppe einen ganzen Vormittag auf das perfekte Foto eines Kaninchenkauzes hofft, möchte die nächste unbedingt zum ersten Mal den unverkennbaren Gesang eines Präriepiepers hören. Manche Besucher kommen bestens vorbereitet mit einer langen Liste an Zielarten, andere möchten einfach erleben, was Saskatchewan in Sachen Vogelwelt zu bieten hat.

Genau darin liegt der Reiz. Kein Tag draußen in der Natur lässt sich komplett planen. Professionelle Guides richten ihre Touren daher an den Interessen und Erfahrungen ihrer Gäste aus. Und natürlich an dem, was die Natur gerade bereithält. Viele stellen zudem hochwertige Spektive oder Ferngläser zur Verfügung. Man muss also nicht gleich mit dem halben heimischen Equipment nach Kanada reisen, um außergewöhnliche Beobachtungen machen zu können.

 

Kaninchenkauz im Grasslands National Park - Credit: Nick Saunders
Kaninchenkauz im Grasslands National Park - Credit: Nick Saunders

Manchmal ist die beste Entscheidung, keinen Schritt weiterzugehen

So groß die Freude über eine seltene Sichtung auch sein mag: Näher ist nicht immer besser. Gerade erfahrene Guides wissen, wann Abstand gefragt ist. Brutplätze schützen, empfindliche Lebensräume respektieren und unnötige Störungen vermeiden: All das gehört genauso zum Erlebnis wie die Suche nach seltenen Arten.

Und manchmal bedeutet verantwortungsvolle Vogelbeobachtung eben auch: stehen bleiben.

So entstehen außergewöhnliche Begegnungen, ohne dass die Tiere dafür den Preis zahlen. Gleichzeitig werden lokale Guides zu wichtigen Botschaftern für den Naturschutz und sorgen mit dafür, dass Saskatchewans Vogelwelt auch in Zukunft so faszinierend und vielfältig bleibt.

 

Plötzlich sieht man Saskatchewan mit anderen Augen

Dabei sind die Vögel oft nur der Anfang. Wer Wasservögel beobachtet, erfährt ganz nebenbei, welche enorme Bedeutung Saskatchewans Feuchtgebiete für die Tierwelt haben. Kleine Singvögel lenken den Blick auf die ursprünglichen Graslandschaften der Prärie und spätestens bei den Zugvögeln wird klar, dass Saskatchewans Vogelwelt weit über die Grenzen Kanadas hinausreicht. Viele Arten legen jedes Jahr Tausende von Kilometern zwischen ihren Brut- und Überwinterungsgebieten zurück und machen unterwegs in der Provinz Station. So wird aus der Vogelbeobachtung schnell eine kleine Lehrstunde über Lebensräume, Ökosysteme und erstaunliche Überlebensstrategien, mitten in der Natur und ganz ohne Klassenzimmer!

 

Schneegänse im Blackstrap Provincial Park - Credit: Tourism Saskatchewan & Greg Huszar Photography
Schneegänse im Blackstrap Provincial Park - Credit: Tourism Saskatchewan & Greg Huszar Photography

Wer sich darauf einlässt, beginnt die Landschaft mit anderen Augen zu sehen. Genau darin liegt vielleicht der größte Wert eines lokalen Vogel-Guides. Natürlich kennt er die besten Plätze und erhöht die Chancen auf besondere Sichtungen. Vor allem aber zeigt er, worauf es sich zu achten lohnt.

Und so kann am Ende aus einem vermeintlich leeren Stück Prärie plötzlich ein Ort voller Leben werden. Vielleicht sitzt dort irgendwo eine winzige Baird-Ammer, ganz versteckt im Gras. Vielleicht zieht ein Schreikranich über den herbstlichen Himmel.

Man muss nur wissen, wohin man schauen soll.

 

Weitere Informationen gibt es bei Tourism Saskatchewan.

 

 

 

 

 

 

 

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